Mein Leben

Inhaltsverzeichnis:

Meine Persönlichkeit

2 Schlaganfälle

Meine Depression und ich

Wie mich meine Ängste und Zwänge im Griff haben

Krankheit kann arm machen

Unter dem Existenzminimum leben

Nach 3 1/2 Jahren: Die Rückkehr ins Berufsleben!

Rauchfrei – Ohne Qual und Gewichtszunahme

2018 – Diagnose : Gehirntumor

2019 – 2020 Therapien (Bestrahlung und Chemo)

Meine Erbkrankheiten

Wie sich mein Leben veränderte

Meine Persönlichkeit

Anja Majorow

Anja Majorow, geb. 21.07.1979 in Rostock

 

Ich gab zu allem meinen Senf dazu.
Zu allem wusste ich eine Antwort ohne das ich gefragt worden bin. 
Ich belehrte gerne und viel.
Wusste fast alles besser!

Warum war ich so?

Ich wollte meinen Mitmenschen und vor allem aber mir zeigen / beweisen das ich wer bin, das ich was weiß, das ich was kann und nicht nur den Kopf zum Haare tragen habe. 

Ein großes Minderwertigkeitsgefühl machte sich in mir breit und der Glaube an mich und meine Fähigkeiten fehlte. Trotz der vielen Erfolge die ich mit meinem ganzen Willen schaffte, wie die Lehre zur Steuerfachangestelltin oder mein abgeschlossenes Studium der  Wirtschaftsinformatik, die zig ausgeübten Hobbys in meiner Freizeit, wie unter anderem das Festhalten meiner Kreativität auf Leinwand mit tollen verschiedenen Motiven mit Acrylfarben, (www.pictures4rooms.de) und vieles mehr, gab mir nicht das Gefühl was ich brauchte um mir das fehlende Selbstvertrauen zu geben.

Ich wollte / brauchte aber die Anerkennung um mir selbst zu zeigen das ich was kann. Durch mein irrationales Bewertungssystem hatte ich immer das Gefühl das mich keiner mochte. Die Art der Bewunderung kam bei mir falsch an und wenn ich sie doch wahrnahm, dann spielte ich diese wieder runter und machte mich klein.

Es war ein Teufelskreis!

Ich hatte kein Selbstvertrauen. Hinzu kamen der Kampf um Anerkennung und das Verlangen nach Verständnis meiner Mitmenschen. Es verletzte mich sehr wenn sie mich nicht verstanden und erzeugte in mir diese Verlustängste, die zu einer Art Panik und Tunneldenken führen konnten.

Ich hatte das Gefühl, das ich alles kontrollieren muss. Ich war so angespannt und nervös, das ich immer in Alarmbereitschaft war und das führte im Endeffekt zu einer chronischen Erschöpfung.  

Meine Emotionen hatten mich im Griff und nicht ich meine Emotionen.

Natürlich hat man mir das nicht angemerkt, denn ich bin ein humorvoller, emphatischer aber auch sehr zartbesaiteter Mensch. Aber wer mich näher kennen lernen durfte, wurde von Anja’s World eingefangen und durfte mit mir lachen aber auch unter meinen Gefühlsausbrüchen sehr leiden. Wer aber am meisten litt, das wir ich.  
Ich war weder in der Lage Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und somit war für mich alles von großer Bedeutung. In meinem Leben jagte ein Extrem das Andere und wenn es Ruhe, Harmonie gab, dann war es nur die Ruhe vor dem Sturm. Es wurde mit mir nie langweilig.

Ich war in mir selbst gefangen und versuchte aus meinem Gefängnis auszubrechen.

Ich sehnte mich so sehr nach Freiheit und einfach das Gefühl der Lebensfreude, der Gelassenheit und der vollkommenen Glückseligkeit zu spüren. Einfach in ihnen einzutauchen und loslassen können.

Es blieb mir aber verwehrt und mein Leben war weiterhin trist, schwarz-weiß und manchmal, wenn es ganz schlimm war, machten sich sehr düstere Gedanken in mir breit.

Ich brauchte professionelle Hilfe um den Kampf mit mir aufzunehmen.

2010 (2) Schlaganfälle

Mein Körper resignierte immer und immer mehr. Ich hatte Rückenleiden, plötzliche Hexenschüsse zwischen den Schulterblättern, so das ich kaum noch atmen konnte und von einer Bewegungsfreiheit ganz zu schweigen.
Ich war immer öfter krank.

Was wollte mir mein Körper sagen?

Ich hatte doch gerade wieder eine Psychotherapie angefangen und mich in einer Psychosomatische Klinik angemeldet.

Was will er noch?

Am 27.07.2010 fiel plötzlich mein rechter Arm um, als ich auf der Tastatur was schreiben wollte. Mir wurde komisch als wenn mein Kreislauf verrückt spielen würde.
Ich hatte einen Schlaganfall. Nur blöd das der Rettungsdienst, trotz gelähmtem Arm, dies nicht sofort erkannte und ich in eine Klinik kam wo es nur ein CT (Computertomograhie) gab. In einem CT werden Gehirnblutungen ausgeschlossen, aber man erkennt keine Blessuren, die aktuelle Beschwerden bereiten. In der Klinik war ich 2 Nächte und am 3. Tag wurde ich dann in die Neurologie verlegt.
Bis zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht was ich habe. Ich war ja der Meinung das es an der Halswirbelsäule liegt, die auch solche Probleme verursachen kann. Man teilte mir nur mit das was mit meiner linken Gehirnhälfte nicht stimmt.

Ich weinte und war geschockt!

In der Neurologie angekommen wurde ich von Kopf bis Fuß untersucht und das sogar vom Chefarzt höchstpersönlich, der mit kurzer Hose und seinen Sommerschlappen rein kam. 

Nach einigen Untersuchungen stand die Diagnose fest.

2 Schlaganfälle

Der Schlaganfall, den ich vor paar Tagen hatte, fand in meinem Kleinhirn statt. Das Kleinhirn ist für beide Körperseiten zuständig und kann Schwindel und Übelkeit verursachen. Ebenso ist es für die Wesensveränderung eines Menschen verantwortlich.
Der angeblich 2. Schlaganfall fand in der linken Gehirnhälfte (links Frontal) statt und wurde durch das CT in der vorherigen Klinik, in die ich gebracht wurde, gesehen.
Darauf hin wurde ich erst in die Neurologie verlegt, da sie nicht die entsprechenden Untersuchungsmöglichkeiten hatten.
Den aktuellen Schlaganfall konnte man bei der Untersuchung noch nicht sehen.
Ein MRT (Magnetresonanztomographie) wäre in dem Fall aufschlussreicher gewesen, was der Klinik im Jahr 2010 nicht zur Verfügung stand.

Das heißt:

Ich habe wahnsinniges Glück gehabt das in meiner linken Gehirnhälfte was zu sehen war. Sonst hätten sie mich womöglich ohne Diagnose wieder nach Hause geschickt und als gesund entlassen. 

 

Meine Depression und ich

Sie war mein ständiger Begleiter, die Depression. Die ambulante Therapien einmal die Woche reichten nicht aus und wurden mit der Zeit auch zu teuer. Ich bezahlte diese selber bzw. meine Eltern unterstützen mich. Bei einer kassenärztlichen Therapie war die Wartezeit viel zu lange und ich brauchte dringend sofortige Hilfe. Ich meldete mich bei einer psychosomatischen Klinik an und begab mich in deren Obhut. Dort sass ich jeden Tag auf einer Parkbank direkt an einem See. Ich beobachte die Enten, hörte den Blässhühnern zu, rauchte eine Zigarette nach der anderen, trank viel zu süßen Cappuccino, haute mir jeden Morgen ein Marzipanbrot rein und dachte sehr, sehr viel nach.

Besser gesagt ich grübelte.

  • Warum bin ich so?
  • Was mache ich falsch?
  • Wie geht es weiter?

Mit ging es schlechter als jemals zu vor, selbst als ich den Schlaganfall hatte ging es mir besser. 

Jeden Tag saß ich an diesem See, ganze 8 Wochen lang.

Was hat mir der Aufenthalt gebracht?

Das ich zum allerersten mal in meinem Leben zu mir gefunden habe und ich plötzlich wusste das ich was ändern muss.
Ich wusste das ich meine Heimatstadt Rostock verlassen muss, sonst gehe ich da unter.
Auch den Grund für meine Verlustängste habe ich dort in einem Elterngespräch erfahren dürfen. Ich hatte ein Kindheitstrauma wovor mich mein Gehirn schützte indem es meine Erinnerungen verblassen lies. Fast ganze zwei Jahre fehlten mir.

 

Am 17.12.2010 zog ich aus Rostock weg in das schöne Lübeck in eine 2 Zimmer Wohnung. Ich ließ meinen Job, meinen Freund in unserer ehemals gemeinsamen Wohnung mit unseren Möbeln zurück und ging einfach ganz alleine in eine fremde Stadt ohne zu wissen wie es weiter geht. Ich landete in ein vier Parteien Haus, wo es wirklich sehr hellhörig war. Wenn eine Person in den Räumen unter mir etwas in seine Steckdose steckte, dann hörte sich das so an, als wäre jemand in meiner Wohnung an meiner Steckdose zu Gange. Ich war so angespannt und so geräuschempfindlich das ich aufatmete wenn alle ausgeflogen waren.  Ansonsten schlich ich mit Hausschuhe, die eine Filzsohle hatten, durch meine karg eingerichtete Wohnung in der nur ein Luftbett und ein Stoffschrank stand. Ich wollte um keinen Preis der Welt auffallen, was mir natürlich mit dem absolut ruhigem Verhalten nicht gelang. Ich war sehr verunsichert und ängstlich. Ich stellte mir oft die Fragen:

  • Was soll aus mir werden?
  • Was will ich machen?
  • Was kann ich überhaupt?

Das Studium der Wirtschaftsinformatik habe ich zwar geschafft, aber die Frage lautet: Unter welchen Bedingungen? Ich habe viel lernen müssen, hatte nicht das normale Studentenleben mit feiern und so. Die Professoren machten es mir auch nicht einfach und ich fühlte mich zum Teil sehr gemobbt. Ich musste wieder um Anerkennung kämpfen, mich durchboxen und mich beweisen. Das strengte mich sehr an und ich hing öfter durch, weinte viel und zu den Prüfungen hatte ich richtige Beinschmerzen von der Anstrengung und dem Druck den ich mir machte.

Ich zog es aber durch, denn von nichts kommt nichts!

Warum ich das studiert habe?

Weil es Zukunft hat und da ich absolut nicht wusste was ich werden wollte und vor allem was ich konnte, habe ich mir gesagt:

„Wenn ich Steuerfachangestelltin geschafft habe, was mir nicht lag, dann schaff ich auch das Studium der Wirtschaftsinformatik.“

Tja da sass ich nun in einer fremden Stadt ohne zu wissen wie es weiter geht.
Ich war planlos.
Mein Arm machte sich mit Schwäche immer wieder bemerkbar und ich zog mich komplett zurück, auch von meiner Familie. Ich ging kaum raus und wenn dann nur zu Arztbesuchen da ich ja unbedingt die Ursache für die Schlaganfälle finden wollte. Mindestens einmal die Woche, liegend im Bett, schaute ich aus dem Fenster in den Himmel und fragte mich was das eigentlich hier alles soll und wozu das Ganze. Das Einzige was mich dann morgens aufstehen ließ, war der Gedanke an Cappuccino und die Zigaretten.

Das war es was mich antrieb, die Sucht.

 

Wie mich meine Ängste und Zwänge im Griff hatten

Sie waren stetig vorhanden und wichen mir nicht von der Seite. Ich konnte sie zeitweise verdrängen, doch das gelang mir nur selten. Ich zog mich komplett von der Menschheit zurück. Wenn ich auf Menschen traf, dann kostete es mich oft Überwindung mit Ihnen zu sprechen und somit vermied ich große Menschenmengen. Ein kleiner Smalltalk zwischen Nachbarn ging ab und an und das reichte mir dann auch. Ich war lieber für mich alleine und versuchte das Alleine-Sein mit meinen Zigaretten zu genießen.  Somit blieb ich auch beim schönsten Sonnenschein zu Hause, obwohl ich nicht mal weit weg vom Strand wohnte. Wenn ich es dann doch mal raus schaffte bzw. musste, sei es wegen einem Arzttermin oder das Einkaufen, dann versuchte ich Blicke zu vermeiden. Ging mit gesenktem Kopf an den Menschen vorbei, um nur keinen Blickkontakt zu erhaschen. Ich erwischte mich sogar öfter dabei, das ich bewusst Wege ging, wo es kaum bis gar keine Menschen gab. Das ließ sich natürlich nicht immer vermeiden und schon gar nicht beim Einkaufen oder beim Arzt. Man sah mir ja auch nicht wirklich an das ich krank war. Durch dieses Verhalten meinerseits, nahm ich die Blicke und Geräusche von anderen Menschen noch mehr wahr, fühlte mich beobachtet und oft persönlich angegriffen.  Das führte dazu, dass das Gefühl der inneren Angst, Unsicherheit und dem Unwohlsein immer mehr anstieg und ich regelrecht aufatmete wenn ich aus der Situation raus konnte. Es war so anstrengend für mich und ich konnte dann richtig spüren das von meinen Körper kurzzeitig  die Anspannung abfiel. Manchmal war es so heftig das in absoluten Stresssituationen mein rechter Arm anfing zu schwächeln und ich wieder Panik bekam, das ich einen weiteren Schlaganfall erlitt. Ich beruhigte mich dann und sagte mir das ist alles nur meinem Kopf und ab und an gelang es mir auch von der extremen Anspannung auf die normale Anspannung zurückzukommen. Ich war immer in Alarmbereitschaft und hatte meine Gehör und meine Augen überall. Alles wollte ich unter Kontrolle haben. Wenn ich Geräusche nicht einordnen konnte machten mich das richtig nervös und gab mir das Gefühl der absoluten Unsicherheit und des Angriffs. Vor allem zu Hause nahm ich alle Geräusche sehr intensiv wahr, denn wie ich schon oben erwähnte, lebte ich in einem Haus, in dem es sehr hellhörig war. Um mich abzulenken putzte ich viel, aber immer nur dann wenn meine Untermieterin nicht daheim war, damit sie sich nicht provoziert fühlt. 

Ich fühlte mich nicht dazugehörig.  Ich tat auch nichts um mich dazugehörig fühlen zu können. Mit was auch? Was hab ich denn schon geleistet in meinem Leben? Das Minderwertigkeitsgefühl machte sich bemerkbar und gab mir das Gefühl von Einsamkeit. Diese Momente machten mich sehr traurig und im nächsten Moment genoss ich diese Einsamkeit bzw. das Alleinsein mit mir wieder. ICH war doch da und gab mir das Gefühl der Minderwertschätzung, indem ich zu mir sagte: Das keiner mit mir klar kommt. Nicht mal ich selbst mochte mich leiden. 

Wie gesagt, ich habe vieles anders bewertet und mich kleiner gemacht als ich bin, viel Rücksicht genommen auf andere um nicht aufzufallen und war sehr oft angespannt und nervös. Ich litt sehr unter meinem Verhalten. 

Warum ich keine Meditation oder autogenes Training lernte?

Ich bin ehrlich, ich habe es nicht mal versucht. Es fehlte mir dafür die Kraft und die innere Ruhe. Das hört sich natürlich blöd an, da man ja die innere Ruhe so lernen kann, aber ich war absolut nicht in der Lage dazu und war in mir gefangen. Es war ein schreckliches Gefühl, in seiner eigenen Welt sich frei und wohl zu fühlen, obwohl man wusste das es ein eigenes, von seinen Emotionen / Gefühlen, erschaffenes Gefängnis ist.

Ich freute mich immer über das Gefühl mit mir alleine zu sein, auf meinen viel zu süßen Cappuccino und die 4-5 Zigaretten dazu, die ich in der Küche oder später in meinem Dachbodenzimmer „genoss“.  Es war mein Rückziehungsort, der mir die Kraft gab an mir festzuhalten. Alleine der Gedanke an dieses Gefühl und diese Aussicht ließ mich aus der Depression und dem Tief kurzzeitig entfliehen und gab mir das Gefühl von Freiheit. Doch die angebliches Rettung war keine, sondern ein weiterer Schritt in die verkehrte Richtung.  Meine Psyche spielte mir einen Streich und ich erkannte nicht das dem so war. Ich wollte und konnte es auch nicht erkennen. Es war der Strohhalm an dem ich sehr festhielt, und sehr froh war diesen zu haben. Es gab aber Tage, da konnte ich mich nicht mal mehr an diesen Halm festhalten und ich fiel tief. Zumindest fühlte es sich so an. Ängste, Zweifel, Unsicherheit machten sich in mir breit. An solchen Tagen lag ich länger in meinem Bett und schaute aus dem Fenster in den Himmel und es war mir „ALLES“ egal. Mein Sein, Mein Leben, einfach Alles. Ich hatte in mir so eine tiefsitzende Traurigkeit, das ich nicht mal weinen konnte. Ich versuchte mir immer wieder den Gedanken an Cappuccino mit Zigaretten zu holen, damit ich hoch komme. Mal klappte dies auch und dann gab es Tage wo es nicht funktionierte und ich bis mittags lag, bevor ich mich dann allmählich hochquälte.

Das Einzige woran ich festmachte das ich mich nicht komplett aufgegeben hatte, war der Weg auf die Couch um fern zusehen. Ich wanderte nie vom Bett auf die Couch und machte die Glotze an. Ich hätte mich geschämt und es war mir ein inneres Bedürfnis dies nicht zuzulassen. Ich habe es in meinen Augen nicht verdient gehabt und es mir regelrecht verboten. Ich war nicht wie andere die einen geregelten Arbeitstag und Urlaub hatten.
Ich war krank.
Fernsehen lenkt ab und ich wollte und musste mich aber mit mir beschäftigen. Man kann es auch als Selbstverletzung und Quälerei sehen, das ich ohne Pause diese Gefühle durchlebte und versuchte sie zu bewerten bzw. zu analysieren. Ich war auf der ständigen Suche nach einer Lösung und drehte mich komplett im Kreis. Immer und immer wieder durchlebte ich das gleiche Muster. Ich glaube ich hätte mir ab und zu eine Pause gönnen sollen, aber ich hatte viel zu sehr Angst, das wenn ich mir so eine Pause von mir gönne, das ich dann komplett abstürze.

Es war also meine Arbeit, sich mit mir auseinander zusetzen und somit machte ich erst zu 19 Uhr den Fernseher an und lenkte mich dann ab.

Ganze 3 1/2 Jahre ….. 

 

Krankheit kann arm machen

Durch meine Erkrankung bekam ich nach 6 Wochen für die nächsten 72 Wochen Krankengeld. Es war knapp, aber reichte gerade so um in meinem Leben einigermaßen über die Runden zukommen. Ein Betrag in Höhe von 35,82 € Krankengeld pro Tag standen mir zu. Ich verdiente nicht wirklich gut und konnte mich nicht mit meinem Minderwertigkeitsgefühl gut verkaufen. Somit machte sich das dann umso mehr bemerkbar und ich musste nun mit den Konsequenzen durch mein fehlendes Selbstvertrauen leben. 

Die zusätzlichen Kosten von 10€ pro Tag Krankenhausaufenthalt und Einrichtungen bis zu einem gewissen Satz kamen ebenfalls dazu und musste ich von dem wenigen Geld bezahlen. 

Einen Therapeuten konnte ich mir schon gar nicht mehr leisten und somit musste ich sehr lange warten bis ich einen kassenärztlichen Termin hatte. Über ein halbes Jahr war die Wartezeit oder in einigen Praxen konnten sie mir nicht mal sagen wann genau was frei wird. Vielleicht in einem 3/4 Jahr, was nicht mal viel ist in der heutigen Zeit.

Unter dem Existenzminimum leben

Das bedeutet zu wenig zum leben und zu viel zum sterben.

Einnahmen  
ALG 1 Nahtlosigkeit §145 SGB III bis 04.03.2012 741,90€
Wohngeld bis 31.01.2012 76,00€
Gesamt-Einkommen 817,90€
   
Ausgaben  
Kaltmiete: 312,00€
Nebenkosten: 120,00€
Warmmiete 432,00€
Gasabschlag Stadtwerke 61,00€
Kosten Wohnung gesamt: 493,00€
   
Verbleiben nach Abzug der Miete: 324,90€
Regelsatz laut Gesetz im Jahr 2011: 374,00€
Differenz/Fehlbetrag: 49,70€
Weitere Fixkosten:  
Versicherungen Unfall/Haftplicht/Hausrath 28,11€
Sozialverband VDK 5,60€
Mieterbund DMB 6,60€

GEZ Gebühren

Antrag Befreiung gestellt: Aufgrund Hilfe zum Lebensunterhalt

17,98€

Verbleiben zum Leben

266,61€

 

Ich musste zur Tafel gehen, um mit dem wenigen Geld klar zu kommen und wollte unbedingt wieder ins Berufsleben. Aber wie und vor allem als was? Ich brauchte dringend Unterstützung und musste mich regelrecht mit Anträgen und Paragraphen auseinander setzen. Um Recherchen und Widersprüche ging es hauptsächlich in dieser Zeit. Manchmal hatte ich das Gefühl, das nicht mal die zuständigen Behörden ihre Paragraphen kannten.

Ich fühlte mich alleine und hilflos!

Ich beantragte bei dem Rententräger eine Reha namens „Teilhabe am Arbeitsleben“. Das heißt das ich am Tag für ein paar Stunden in einem Unternehmen bin und danach die restlichen Stunden in einer Einrichtung. Ich hatte mir sogar schon eine ausgesucht. Ich brauchte einfach eine führende Hand und ein langsamen Start.

Ich bekam eine Absage und legte Widerspruch ein. Zum Schluss erhielt ich doch tatsächliche eine „Teilweise Erwerbsminderungsrente“ in einer Höhe von sage und schreibe 332,97€ zugesprochen, obwohl ich diese nie beantragt habe.

Nun war ich richtig in Panik!

Denn das bedeutet. Das der Rententräger der Meinung ist das ich 6 Stunden arbeiten könne und da ich noch nichts in Aussicht hatte, geschweige ich mich nicht dafür bereit fühlte, musste ich Harz IV beantragen. Am 01.11.2013 sollte die Auszahlung der Rente starten. 

Ich wollte wieder arbeiten und ich brauchte doch einfach nur Hilfe und jemand der mir die Richtung vorgibt!

Es war zum Heulen und der Oktober 2013 war im vollem Gange. Ich stöberte nach Jobs. Was traute ich mir denn überhaupt zu und das nach mehr als 3 Jahren Pause?

Nach 3 1/2 Jahren: Die Rückkehr ins Berufsleben!

Es ging nicht anders und ich wusste das ich ins kalte Wasser springen muss. Ich war schließlich schon 34 Jahre jung und das kann es doch nicht schon gewesen sein. Ich bewarb mich auf eine Stellenausschreibung als Einkäuferin und die gleiche Firma hatte noch eine weitere Stelle in der Datenerfassung. Eins davon wird sicherlich klappen, bzw. musste ja notgezwungen. Das Unternehmen rief mich zwei Stunden später an und lud mich für den nächsten Tag zu einem Vorstellungsgespräch ein. Ich freute mich sehr. Als Wirtschaftsinformatikerin waren sie sehr an mir interessiert und somit machte ich den Job fest.

Wann können Sie anfangen? Sofort, ich muss nur ein paar Sachen vorher regeln und wäre dann zum 01.11.2013 bereit zu starten. Ein paar Tage später unterzeichnete ich den Arbeitsvertrag, bin dann zu meiner alten Firma gefahren und habe dort einen Aufhebungsvertrag unterschrieben.

Ich habe mein Ziel erreicht. Ich war zum 01.11.2013 Angestellte in Vollzeit und trat nicht die Rente an und musste kein Harz IV beantragen.

Doch es war auch sehr anstrengend nach 3 1/2 Jahren Pause von Null auf 100%. Ich brauchte sehr lange um meinen Alltag zu meistern und die Zeit einzuteilen. Ich hatte das Gefühl, das ich nach Hause kam und nichts schaffte. Auf Arbeit genau das Gleiche. Was kann ich eigentlich? Es war zum verzweifeln und ich rauchte in meiner Mittagspause an die 5 Zigaretten und abends wenn ich nach Hause kam kochte ich mir einen Becher mit Kaffee und rauchte mindestens 3 Kippen dazu. Vom übersüssten Cappuccino hatte ich Abstand genommen und bin auf Kaffee umgestiegen, mit Stevia versteht sich, da er sonst nicht süss schmeckt. Irgendwas brauchte ich ja um meine Zigaretten schmackhafter zu machen und somit stand ich alleine auf meinem Dachboden nach einem anstrengend Tag und versuchte diese Pause zu geniessen.

Auch hielt ich mich von meinem Arbeitskollegen fern. Ging in der Mittagspause alleine spazieren und scheute regelrecht die Kommunikation. Ich wusste nicht wer ich bin, hatte schreckliche Angst das es raus kommt, das ich nichts kann.

Nach ca. 2 Monaten der Analyse, der im Unternehmen eingesetzten Software, ein Warenwirtschaftssystem, programmierte ich ein Tool, welches alle Artikel mit deren Umsatz für einen bestimmten Zeitraum anzeigte. So war das Unternehmen in der Lage auf einen Blick alle wichtigen Zahlen zu sehen. Das gab es nicht in diesem Programm, so wie viele weitere Auswertungsmöglichkeiten.

Das war mein Durchbruch!

Es wurde sogar eine Konferenz einberufen. Ich erntete wahnsinnige Anerkennung, Dankbarkeit und Lob.

Das ist es was ich brauchte um empor zu steigen. 

Heute bin ich Controllerin im Datenmanagement und eine verantwortliche Projektleiterin. Ich liebe es zu analysieren und effiziente Lösungen zu schaffen. Ich bin eine Führungskraft in einem Unternehmen welches mir persönlich sehr am Herzen liegt und es macht mich stolz ein Teil von Wir sind Voltus zu sein.

Rauchfrei – ohne Qual und Gewichtszunahme

Ja das geht. Ich habe es geschafft jedoch mit Hilfe und einer Packung Zigaretten.

Ich war es leid zu stinken und mein Leben nach den Zigaretten zu richten. Ich rauchte wenn ich Stress hatte oder wenn ich Entspannung hatte. Keiner kann mir erzählen das er aus Genuss raucht und es ihm Spass macht, auch nicht die Gelegenheitsraucher, die ebenfalls der Sucht zum Opfer gefallen sind. Eine Zigarette gibt einem das Gefühl von Freiheit, von Genuss, von „Ich gönne mir mal was“.  Ein Mensch der nur zum Alkohol raucht, wird sich erwischen, wie er immer öfter einen Trinkabend macht und sich auf diesen sogar extrem freut.  Es ist doch eher das Gefühl was man damit verbindet. Genüsslich eine Rauchen mit einem Getränk.

Würde man aber eine Zigarette wirklich genießen, dann würde KEINER rauchen. 

Die Wahrheit ist: Du bist süchtig!

Ich weiß die Wahrheit tut weh und kann schrecklich schmerzen, aber es ist eine legale Droge, die es im Supermarkt an der Kasse zu kaufen gibt. Ich war es leid immer zu schauen wie viele ich noch habe und hatte mich sogar geschämt wenn ich mir welche kaufen musste.  Aber was sollte ich machen, ich war süchtig und das war ja auch einer der Gründe warum ich noch lebte. Zumindest war ich der Meinung und gab den Zigaretten das Gefühl, das sie eine grosse Stütze für mich waren und mir doch sehr in der schweren Zeit geholfen haben.

Was wäre ich ohne sie?

Im Jahr 2015 hat mein Neurologe mich zu einer Gefäßfachärztin geschickt aufgrund meiner fleckigen/marmorierten Beine, die auf eine Durchblutungsstörung hinweisen könnten. Ich hatte schon als Kind fleckige Beine und fand es auch immer komisch, da ich, egal ob kalt oder warm, sehr oft diese Flecken hatte. Somit besorgte ich mir einen Termin. Laut meiner Vorgeschichte war sie sehr hellhörig und untersuchte mich sehr gewissenhaft. Vor allem weil ich bereits im Zeh einen Gefäßverschluss hatte, ein halbes Jahr nachdem ich den Schlaganfall hatte. Sie entdeckte eine Herzrhythmusstörung und an meiner  Hauptschlagader, der Aorta war auch etwas zu erkennen, was für den Schlaganfall und dem Gefäßverschluss eine Ursache sein könnte. Sie überwies mich zu einem Kardiologen der Langzeit EKG machte und besorgte mir ein MRT Termin für die Aorta-Problematik. 

Ich war sprachlos und hatte nun Angst um mein Leben. 

Ich musste und wollte unbedingt aufhören zu rauchen. Doch es gelang mir nicht. Ich war ja süchtig und alleine nur durch meine Willenskraft schaffte ich es nicht und das wäre auch nicht gut gewesen. Da man dann denkt man bringt ein Opfer und man muss was aufhören, was einem vermeintlich gut tut. Auch weniger rauchen bringt einen nicht weiter, weil man ja dann die Zigaretten auf ein Podest stellt und sich regelrecht auf den Moment der Zigarette mehr freut und ihr mehr Bedeutung gibt, als sie wirklich verdient hat. Das facht die Sucht ja eher noch an. 

Ich besorgte mir Hilfe von „Allen Carr – Endlich Nichtraucher!“ und kaufte mir meine allerletzte Schachtel Zigaretten.

Ich habe es in 3 Tagen geschafft und es machte mir sogar richtig Spass. Ich hatte kein Schmachter mehr und ich stieg auch nicht auf Zuckerbomben, wie Bonbons um.  Ich brauchte keine Ersatzdroge.

Ich bin Rauchfrei ohne Qual und ohne Gewichtszunahme!

Hast du bereits dich von der Droge befreit und hast trotzdem Schmachter oder bist noch Raucher und willst in die Freiheit zurück, dann kann ich dir dieses Buch nur wärmstens empfehlen, was es auch als Hörspiel gibt. Du wirst es verstehen und wenn du das machst was Allen Carr wunderbar beschreibt, dann wird es dir Freude machen aufzuhören und du wirst es nicht mal mehr verstehen, warum du dich dieser Sucht überhaupt hingegeben hast.

 

Nachdem ich mit der Raucherei aufgehört hatte, fing ich allmählich an mich mit der Ernährung auseinander zusetzen und ging sogar joggen und machte Muskelaufbau. Ich fühlte mich frei, aber meine depressiven Schübe waren immer noch da. Ich begann mich weiterhin auf die Suche zu machen und arbeitete hart an mir. Ich wollte so gerne das Hier&Jetzt geniessen können.  Ich informierte mich viel in der einstündigen Mittagspause, die ich auf Arbeit hatte, auf diversen Seiten. Unter anderem wie man Gelassenheit lernt und Selbstvertrauen. Ich ging auch weiterhin einmal die Woche zu einer Psychotherapeutin.  

 

Diese Quellen haben mir sehr geholfen um zu verstehen. Diese Beiträge habe ich in der einstündigen Mittagspause durchgelesen und versucht zu verarbeiten, sowie umzusetzen. 

Gelassenheit lernen: https://karrierebibel.de/gelassenheit/
Gelassenheit durch Resilienz: https://karrierebibel.de/resilienz-resilient/
Loslassen lernen: https://karrierebibel.de/loslassen/
Selbstliebe: https://karrierebibel.de/selbstliebe-lernen/
Selbstvertrauen stärken: https://karrierebibel.de/selbstbewusstsein-selbstvertrauen/
Selbstsabotage: https://karrierebibel.de/selbstsabotage/
Dankbarkeit: https://karrierebibel.de/dankbarkeit/

2018 – Diagnose : Gehirntumor

Ein epileptischer Anfall im Edeka mit Sprachverlust ließ mich annehmen das ich gerade einen dritten Schlaganfall erlitt. Im Krankenhaus ankommen, brachte ich die Ärzte zunächst mit meiner Vorgeschichte auf die falsche Fährte. 

Aber ich hatte Glück. Sie fanden die Ursache und sicherten sich sogar nochmal ab, indem sie die Bilder von damals mit den aktuellen Aufnahmen verglichen.  Ein Gehirntumor! Dieser löste einen epileptischen Anfall aus mit Sprachverlust. Er war schon damals zu sehen und wurde mir durch den damaligen Arzt als zweiter Schlaganfall verkauft, wo meine rechtes Bein gelähmt hätte sein müssen. Dieses Ödem rettete mir aber damals das Leben bzw. verhalf mir zu einer Verlegung in die Neurologie. Aber es handelte sich nicht um einen weiteren Schlaganfall, sondern um eine Schwellung die nun im Wachstum war und sich zu einer Raumforderung entwickelt hat.. Es verdrängte mit einer Grösse von fast 25% mein Gehirn zur Seite. 

Der Gehirntumor (links frontal) war schon 2010 zu sehen und wurde mir als zweiter Schlaganfall verkauft. 

 

Die OP sollte am 05.12.2018 um 8 Uhr durchgeführt werden und sollte eine Dauer von 4 Stunden betragen. Diese wurde jedoch am 04.12.2018 auf den 17.12.2018 verschoben, was mir persönlich besser gefiel, da ich noch mein Projekt auf Arbeit weiter voran bringen konnte. Ich war komplett entspannt als ich den Tag vor der OP, am 16.12., ins Krankenhaus gebracht wurde und auch morgens gegen 8 als ich bereits vor dem OP-Saal stand, war keine Nervosität oder dergleichen zu spüren. Ich wusste das alles gut wird.

Nach 7 Stunden eine Meldung von der Intensiv an meine Angehörigen.

Intensiv-Station kurz nach der OP

Da lag ich bis nächsten Tag abends und wurde dann auf die normale Station verlegt. Ich grinste nur und erfreute mich des Lebens. Solche Gefühle kannte ich gar nicht. Reden konnte ich nicht außer ja und nein. Ich machte mir um nichts Sorgen. Am 24.12. wurde ich entlassen. 

2019 – 2020 Therapien (Bestrahlung und Chemo)

An die 30ig Bestrahlungen bekam ich á 5 Minuten und das von Montag bis Freitag. Ich war somit länger mit dem Taxi unterwegs als ich da lag. Bei einer Bestrahlung und Chemo darf man auf gar keinem Fall hochdosierte Vitamine wie A, C und E einnehmen. Das kann zu erheblichen Problemen führen und anstatt das die Therapie hilft, kann es sich sogar verschlimmern. Bitte alle Medikamente beim Arzt angeben und mit ihm zusammen arbeiten. 

 

 

Ich war gut drauf und hatte so gut wie keine Nebenwirkungen. Ab und an war ich erschöpft und etwas müde. Ich legte mich dann einfach auf die Couch und gönnte mir Ruhe, außer ich hatte weitere Termine, wie Logopädie und Ergotherapie. Das schlauchte dann natürlich zusätzlich, aber somit blieb ich wenigstens in Bewegung. 

 

Während der Strahlentherapie

 

Haarausfall am 14.02.2019
Happy Valentine’s Day!
Haarverlust an der lokalen Stelle wo bestrahlt wird.

 

 

15.02.2019 Ein Tag nachdem sie ausgefallen sind.

 

Ab in einen Haarersatzladen. Das nötige Rezept hatte ich mir bereits in weiser Voraussicht ausstellen lassen. Ich hätte nicht gedacht das mir das passiert, da ich immer davon ausgegangen bin ich sei anders. Es war ein richtiger Schock als ich abends am 14.02.2019 meine Haare in der Hand hatte. Ich wusste das es passieren würde, aber wenn es dann soweit ist, dann ist das nochmal eine ganz andere Nummer. Bis dahin habe ich angenommen das es mir nicht passieren könne und werde. Ich sei was anders.

Nun hatte ich wieder diese Ängste. Vor allem hatte ich vor dem Erlebnis Angst, das ich morgens aufwache und weitere Haare auf meinen Kopfkissen verteilt finde.

Ich musste handeln und zwar so schnell wie möglich. Ich beschloss das Beste aus meinem Schicksal zu machen. Vorher musste ich aber noch zu einer Bestrahlung und bis ich am späten Nachmittag in dem Haarersatzladen mein Lächeln wieder fand. Bis dahin war ich ungeniessbar, wütend und schlecht gelaunt, so wie ich nie wieder sein wollte.

So sehr zog mich das runter.

Ich suchte mir diese schöne Perücke in einem dezenten kupferrot aus.

Ich liebe diese Haarfarbe!

 

Das Video habe ich in die Whatsapp-Gruppe meiner Arbeitskollegen gestellt.

 

Das war absolut das Beste was ich gemacht habe. Mich von dieser Last zu befreien. Egal wie man meine Haare gekämmt hätte, ich habe mich absolut hässlich gefühlt und es war schlimmer für mich mit einer kahlen Stelle am Kopf als kurzes Prozess zu machen. Und es war ja erst der Anfang der Misere.

Ich ließ meine Haare abrasieren und ich liebte es ab dem allerersten Moment an.

 

„Oben Ohne“ 

Ich liebe es!

 

Chemotherapie 

Die Chemotherapie bereitet mir mehr Sorgen als die Bestrahlung. Ich habe zwar das grosse Glück diese Therapieart in Tablettenform zu bekommen und muss nicht in den Chemo-Pavillion, wie viele mit anderen Krebsarten. Aber es ist auch Gift und zerstört alle Zellen, egal ob gesunde oder ungesunde Zellen. Ein Vorteil gibt es bei der Tablettenform, man verliert keine Haare, weder Augenbrauen noch Wimpern. Der Rest der Nebenwirkungen ist gleich. Mit der Übelkeit hält es sich bei mir in Grenzen, ansonsten sehe ich oft nicht klar, kann mich an manchen Tagen kaum konzentrieren und bin schnell müde und erschöpft. Die Leukozyten sind sehr abgefallen, was den Ärzten Sorgen bereitete. Sie sind sehr wichtig für die Abwehrstärke des Immunsystem. Mir ging es durch das geschwächte Immunsystem sehr schlecht und Schlappheit machte sich in meinem Körper breit. Trotz Reduzierung der Chemotabletten, haben sich die Blutwerte nicht erholt, so daß ich nur den ersten Zyklus durchziehen konnte. Ein Zyklus geht bei dieser Medikamentenzusammensetzung 8 Wochen. Der Zweite war nur mit einer Zwangspause möglich und den dritten und vierten musste ich wegen zu niedrigen Werten komplett ausfallen lassen. Eigentlich sollte ich 6 Zyklen machen und so hatte ich mal gerade einen geschafft und das mit ach und krach. Aber lieber so als mich in Gefahr zu bringen und eine Infektion einzufangen. 

Die Ärzte rieten mir zu einem anderen Chemo-Präparat, da eine weitere Reduzierung der Tabletten keinen Sinn macht und eine Wirkung nicht mehr gewährleistet ist. Ich willigte ein. So mache ich wenigstens eine Chemotherapie durchgängig und laut der Forschung ist eine Bestrahlung mit Kombination einer Chemotherapie von hoher Wichtigkeit bei meinem

Gehirntumor namens:

IDH-mutierten Oligodendrogliom WHO II (1p/19q-kodeletier), um ein erneutes Wachstum oder gar die aggressivere Form von WHO III zu verhindern bzw. nach hinten zu verschieben. 

Arten von Gehirntumoren und Therapien 

Astrozytome und Oligodendrogliome

 

Meine Erbkrankheiten

Liporotein a

Mein Lipoproteinwert a ist erhöht. Das bedeutet: Es kann zu entzündlichen Prozessen in den Blutgefäßen kommen und sogar zu Ablagerungen an Gefäßwänden, so genanntes Plaques. Ich glaube ja das es jeder vierte dieses Problem hat und gar nichts davon weiß.  Wenn also öfter Herz-Kreislauf- Erkrankungen in der Familie früh auftreten, wäre es vielleicht nicht schlecht den Ärzten mitzuteilen, das sie diesen Lipoprotein a Wert, doch mal bei einem sich genauer anschauen mögen.  Bei mir haben sie es damals nicht gemacht und erst als meine Onkel zwei Herzinfakte im Jahr 2018 erlitt, hatte er uns darüber informiert, das sein Wert viel zu hoch sei und wir uns doch auch untersuchen lassen sollen. Sein Enkel habe das auch und es ist vererbbar.

Als ich nun den epileptischen Anfall 2018 hatte und ins Krankenhaus kam, bat ich die Ärztin dies gleich mit zu untersuchen. Da meine Mutsch ebenfalls betroffen war und anstatt der maximal 30 Milligramm pro Deziliter Blut einen Wert von über 100 hat.

Ich habe einen Wert von 78,4.

Ich habe Jahre nach der Ursache für die Schlaganfälle suchen lassen. Ich war beim Rheumatologen, da es Rheuma-Arten gibt die Schlaganfälle auslösen können. Ich habe Genetest machen lassen, wegen Blutgerinnungsstörung. Ich habe so ziemlich alles gemacht was die Ärzte gesagt haben und doch haben sie es nicht wirklich lokalisieren können. Vielleicht war es die damals festgestellte  tiefe Beinvenenthrombose, die ich nicht gemerkt hatte und schon älter war, als ich mit einem angeblichen Gefäßverschluss im Zeh untersucht wurde. Oder doch ganz simpel:

Pille und Rauchen?

Ich habe gleich nach dem Schlaganfall die Pille abgesetzt und mir eine Kupferspirale einsetzen lassen. Ich habe keine Kinder, da ich oft von Leuten gehört habe, das man die nur bekommt wenn man bereits ein Kind geboren hat.

Das ist Quatsch! und in keinster Weise nachvollziehbar. 

 
Morbus Meulengracht Syndrom

Ich hatte schon immer diese gelben Augen, mal mehr mal weniger, aber nie komplett weg. Ich wurde öfter darauf angesprochen und ich selber fand es auch hässlich, aber was sollte ich machen. Als Jugendlicher hatte ich dann angenommen das es vom Rauchen noch extremer wurde. Nur komisch das meine Mutsch gar nicht rauchte, die ebenfalls diese gelbe Augen ab und an hatte. Ich machte mir nicht all zu viele Gedanken darüber.

Als ich älter wurde und ich wieder darauf angesprochen wurde, ging ich zu meinem Neurologen und fragte ihn ob ich die Gelbsucht habe und ob mein Bilirubinwert nicht in Ordnung sei, der ebenfalls zu einer Gelbfärbung führen kann. Er meinte das alles in Ordnung sei und ich an keiner Gelbsucht leide. 

Es wäre aber so unheimlich wichtig für mich gewesen das mir einer mal sagt das ich Morbus Meulengracht habe und somit bei der Medikamenteinnahme aufpassen muss.

Ich nehme ASS 100mg, da mein Blut geschmeidiger sein soll um weitere Schlaganfälle zu vermeiden. Ich darf dann aber bei körperlichen Schmerzen kein Asperin einnehmen, da Asperin das Blut noch mehr verdünnt. Ich wurde somit in der Klinik im Jahr 2010 darauf hingewiesen und es wurde mir das Schmerzmittel Paracetamol empfohlen. Das aber ist wieder rum bei Morbus Meulengracht Syndrom nicht zu empfehlen. Durch den Enzymdefekt kann die Leber einige Mittel schwerer abbauen und kann zu erheblichen Nebenwirkungen führen. 

zB. Bei Krebsmittel wie Irinotecan, östrogenhaltigen Hormonen, Buprenorphin, Anthraquinonen, Flavonoiden und den HIV-Medikamenten Indinavir und Atazanavir muss man, wenn man an dem Morbus Meulengracht leidet sehr aufpassen.

 

Wie ich das raus bekommen habe das ich Morbus Meulengracht habe?

Am 15.03.2019 hat mein Hausarzt mir eine Einweisung in das Krankenhaus gegeben, da ich unheimlich Schmerzen unter dem rechten Rippenbogen hatte und kaum noch gehen konnte. Ich lag am 14.03 nur mit Wärmflasche auf meiner Couch und konnte mich kaum noch bewegen. Ich hatte vor zwei Wochen das gleiche Problem schon mal, da habe ich den notärztlichen Dienst anrufen müssen. Ich bin von einer Gallenkolik oder Leberschmerzen ausgegangen. Der Arzt der zu mir nach Hause kam hatte in seinem Spezialgebiet nach Übereinstimmungen gesucht und ist auch schnell fündig geworden. Ein eingeklemmter Nerv! „Sind sie sich sicher?“ fragte ich nochmal nach. Ich nickte, ohne mich abgetastet zu haben und alleine die Aussage das ich nicht richtig einatmen konnte, lies ihn seine Diagnose glauben. Er ist Facharzt der Psychiatrie und Psychotherapie und meinte auch das die Leber nicht schmerzen kann. 

Mein Hausarzt schüttelte nur den Kopf und erklärte mir das es Leberschmerzen gibt und er möchte das unbedingt abgeklärt haben.

Ich sage immer Ärzte sind auch nur Menschen wie du und ich und sie wissen halt nur das was sie wissen. Manchmal ist es wichtig mitzudenken und selbst zu recherchieren und gemeinsam mit den Ärzten eine Lösung zu finden.

 

Morbus Meulengracht ist eine Stoffwechselkrankheit die zu keinen Organschäden führt und somit keine weitere Behandlung bedarf. Es ist aber wichtig zu wissen das man an diesem Syndrom leidet, denn es kann Auswirkungen bei Medikamenteneinnahme haben. 

Die Ursache der Schmerzen konnten sie nicht ermitteln und somit bleibt die Ursache noch offen. Ich bin ja von einem Gallenstein ausgegangen, der sich nun, durch die Einnahme von dem Curcumin was die Gallenflüssigkeit anregt, gelöst hat. Es wurde kein Stein in den Ultraschalluntersuchen gefunden. Alle Organe sahen gut aus.

Das ich Morbus Meulengracht habe, habe ich im Internet selbst recherchiert und die Ärzte gaben mir Recht, da der Bilirubinwert sich von einem Tag auf den anderen verdoppelte und nichts weiter auf eine Gallen- oder Leberentzündung deutete.

Ich bleibe dran und werde meine Leber bei der Entgiftung unterstützen.  

Wie sich mein Leben veränderte

Ab dem Moment, als ich die Augen am 17.12.2018 nach der Gehirn-OP öffnete, habe ich sofort gespürt das was anders war. Ich hatte keine Ängste mehr und grinste nur noch. Die Sprache war zwar noch nicht da, aber das habe ich auch wieder gelernt.

Ab diesem magischen Moment war nichts mehr wie es war. Ich bin nun wie ich immer sein wollte. 
Alles das was ich vorher nicht konnte kann ich ich jetzt. Ich bin geheilt aber noch nicht gesund. Zurzeit mache ich eine Chemo, aber die Nebenwirkungen, wie Übelkeit und Müdigkeit halten sich in Grenzen. Es gibt Tage an denen ich sehr neben mir stehe. Ich denke das es von der Operation am Gehirn kommt. Ich arbeite hart an meiner Genesung damit diese Momente ganz verschwinden.

Trotzdem sehe ich nun alles positiv und erkenne plötzlich was Wichtig und was Unwichtig ist. Ich kann genießen und die Jahre der Psychotherapien haben sich ausgezahlt. Ich erkenne alle Zusammenhänge und lebe im Hier&Jetzt. Ich nehme alles sehr intensiv war und bin sehr dankbar das ich das erleben darf. Ich bin dankbar das ich endlich mal das Glitzern im Meer, die Sonne auf der Haut nicht nur spüren, sondern auch genießen kann. Das ist ein grosses Geschenk. 

Ich fühle meine Gedanken. 

Wie schrecklich muss es aber sein, wenn man das vorher alles konnte und diese Diagnose ins Gesicht gesagt bekommt. Alleine der Gedanke daran lässt mir den Boden unter den Füssen wegreißen und durch meine Empathie stockt mir bei dieser Vorstellung der Atem.
Umso wichtiger ist es das wir hinschauen, das DU hinschaust. Wenn man irrationale Ängste bekämpfen möchte dann soll man sich diesen stellen und den Blick nicht abwenden.

Stelle dich deinem Sein, deinem Ich und schaue dir ins Gesicht! 

Richte deinen Blick nach Innen. Schaue was dir dein Körper sagen möchte. Viele haben verlernt ihrem Körper zu zuhören und ignorieren ihn bzw. es wurde ihnen gar nicht erst beigebracht zu erkennen was der eigene Körper, dein Sein, braucht und sich wünscht. Das Leben passiert während du in der Vergangenheit weilst oder dir Gedanken um die Zukunft machst. Das Leben passiert genau JETZT, in diesem Augenblick und das von Moment zu Moment.

Drum würde ich mich sehr freuen, wenn du mit mir ein Zeichen setzt und zeigst das auch du hinschaust. Empfehle diesen Informativ-Blog weiter. Gebe mir auf Facebook ein Like, teile ihn oder sei mein Follower auf Instagram damit wir zusammen andere Menschen erreichen.

 

Das Zeichen setzen.

Gib Krebs keine Chance!
Jeder kann was tun….Auch du! 

 

P.S.
Es ist nur ein kleiner Ausschnitt aus meinem Leben. Ich könnte noch so viel schreiben, aber das würde den Rahmen sprengen.
Ich hoffe meine Botschaft hat dich erreicht und du erkennst nun wieder die Richtung in die du gehen solltest um zu erkennen was wirklich wichtig ist.

Das Wichtigste bist nämlich DU!

Liebe Grüsse

Anja Majorow

Oben Ohne

„Oben Ohne“ 
Foto by Corwin von Kuhwede Corwin von Kuhwede